Leseprobe


Die Rolle des Glaubens

Ist der Glaube immer die Voraussetzung für eine Heilung?

Da der Glaube das Mittel ist, um Vergebung von Schuld und die Gabe des Ewigen Lebens zu empfangen (Eph 2,8), liegt es nahe, anzunehmen, dass dasselbe Mittel erforderlich sei, um jede andere Gabe von Gott zu erlangen. Insbesondere in dem von der »Glaubenstheologie« geprägten Flügel der charismatischen Bewegung entwickelten sich vor allem folgende vier Thesen:

 

Das Versprechen körperlicher Heilung gilt nur »Gläubigen«

Oral Roberts behauptet, dass körperliche „Heilung eine bedingte Verheißung nur für Gottes gläubige Kinder“ ist. Ebenso meint Warren Walker, dass das Versprechen körperlicher Heilung nur wiedergeborenen Christen gilt. Er begründet dies damit, dass nur Gläubige in rechter Weise glauben können: „Ein Kranker muß im rechten Verhältnis mit Gott stehen, bevor er einen lebendigen Glauben an Christus als Heiler ausüben kann. Die Seele muß so völlig hingegeben sein, bevor jemand die Bedingungen zum Empfangen einer Befreiung erfüllen kann.“

 

Auch Kathryn Kuhlman war der Ansicht, dass körperliche und geistliche Heilung immer auf die eine oder andere Art und Weise miteinander zusammenhängen: „Ich glaube nicht, irgend jemand könne körperliche Heilung erfahren, ohne auch geistliche Heilung zu empfangen. Diese beiden Dinge gehen Hand in Hand.“

 

Dass sich Gott jedoch die Freiheit nimmt, auch Ungläubige einfach aufgrund seiner Barmherzigkeit zu heilen, weil er seinen Sohn verherrlichen will oder um seines Erbarmens und seiner Verheißungen wegen, heben Deere, Wimber und Witt hervor. Wimber schreibt zwar, dass Heilung ein »Evangeliums-Förderer« ist und dass es »sehr einfach« sei, »Menschen von Christus zu erzählen, nachdem sie geheilt worden sind«, zieht daraus aber nicht den Schluß, dass alle Geheilten Gläubige werden. Witt ist der gleichen Überzeugung, wenn er feststellt, das sich die von Jesus Geheilten nicht notwendigerweise zu ihm bekehrten: „Jesus hat seine Heilungswunder auch dann getan, wenn die Frucht der Buße ausblieb.“

 

Geschieht Heilung nur durch Glauben?

Die »Glaubenslehrer« gehen von der Tatsache aus, dass Heilung genauso im Erlösungswerk Jesu mit eingeschlossen ist wie Vergebung von Schuld und Sünde: „Heilung gehört uns genau so wie Vergebung.“ Man kann nicht einen einzigen Repräsentanten der »Glaubensbewegung« finden, der seinen Anspruch auf körperliche Heilung nicht mit der Sühne Christi für alle Krankheiten begründet. Zu jeder Zeit und in jedem Fall sei es der Wille Gottes, zu heilen; der gläubige Christ müsse nur glauben und beanspruchen, was ihm rechtmäßig bereits gehört. Ekman erklärt hierzu: „Durch Glaube empfangen Sie das, was er am Kreuz bezüglich Ihrer Gesundheit getan hat... Sie können immer Ihre Heilung im Glauben auf der Grundlage der Erlösung und der Verheißungen des Bundes empfangen.“

 

Margies spricht diesbezüglich von zwei geistlichen »Ebenen«: „Das Gegenstück zu dem beanspruchenden... Glauben ist der kommentierende und der lamentierende Glaube. Wer als Christ auf dieser letztgenannten Ebene lebt, begnügt sich mehr oder weniger ausschließlich mit den unsichtbaren Anteilen der Erlösung... Sein Glaube berührt nicht die praktischen Herausforderungen des Daseins in dieser Welt wie Krankheitsleid...“

 

Die meisten »Glaubensheiler« wie Asa A. Allen, Hobart E. Freeman oder Oral Roberts legen deshalb auf ihren Heilungsfeldzügen eine starke Betonung auf die Bedeutung des Glaubens in der Krankenheilung: Allen sagt: „Wenn die Flut deines Glaubens angestiegen ist und ohne Wellengang bestehen bleibt, dann ist es an der Zeit, sich in die Heilungsschlange einzureihen, denn dann, nur dann, kannst du Heilung empfangen.“ Freeman warnt sogar die Geheilten, indem er sagt: „Es ist möglich, seine Heilung wieder zu verlieren, nachdem sie durch Glauben erhalten wurde, wenn wir es erlauben, dass Zweifel erneut unseren Glauben beeinflußt.“ Er fügt hinzu: „Die Antwort ist immer ein »Ja« zu einer jeden Verheißung, die Gott dir macht, wenn du die Bedingungen des Glaubens erfüllst.“ Roberts geht sogar soweit, dass er von Christus sagt, dass er „ein Mißerfolg in seiner Heimatstadt, Nazareth, hinnehmen mußte... Die Bibel sagt nicht, er tat nicht, sondern er konnte nicht aufgrund ihres Unglaubens.“

 

Indem die Position: „der Herr heilt nur als Reaktion auf Glauben“ so verstanden wurde: „Du hast die Macht, du hast es in der Hand, ob du geheilt wirst oder nicht“, ist sie unter der Überschrift »Glaube als magisches Mittel zum Erfolg« zu Recht auf harte Kritik gestoßen. Deere kritisiert: „Es gibt in manchen Teilen der heutigen Kirche eine Lehre über Heilung, die an Vermessenheit grenzt... Gemäß dieser Lehre müssen wir nur Heilung bekennen und beanspruchen, und dann ist Gott verpflichtet, zu heilen.“

 

Deere spricht von einer »Last«, die mit einer solchen Lehre dem Kranken auferlegt wird, und dem Zwang, »sich zu einer psychischen Gewißheit aufzupeitschen«; aus diesem Grunde hält er eine solche Lehre für »zerstörerisch«. Stattdessen verlange Gott nicht, „dass wir eine einwandfreie Theologie und Glaubenspraxis besitzen, bevor er in unserem Leben wirkt.“

 

Führt Glaube automatisch zur Heilung?

Oral Roberts behauptet, dass körperliche „Heilung eine bedingte Verheißung nur für Gottes gläubige Kinder“ ist. Ebenso meint Warren Walker, dass das Versprechen körperlicher Heilung nur wiedergeborenen Christen gilt. Er begründet dies damit, dass nur Gläubige in rechter Weise glauben können:

„Ein Kranker muß im rechten Verhältnis mit Gott stehen, bevor er einen lebendigen Glauben an Christus als Heiler ausüben kann. Die Seele muß so völlig hingegeben sein, bevor jemand die Bedingungen zum Empfangen einer Befreiung erfüllen kann.“

 

Kathryn Kuhlman war der Ansicht, dass körperliche und geistliche Heilung immer auf die eine oder andere Art und Weise miteinander zusammenhängen: „Ich glaube nicht, irgend jemand könne körperliche Heilung erfahren, ohne auch geistliche Heilung zu empfangen. Diese beiden Dinge gehen Hand in Hand.“

 

Dass sich Gott jedoch die Freiheit nimmt, auch Ungläubige einfach aufgrund seiner Barmherzigkeit zu heilen, weil er seinen Sohn verherrlichen will oder um seines Erbarmens und seiner Verheißungen wegen, wollen Deere, Wimber und Witt so sehen. Wimber schreibt zwar, dass Heilung ein »Evangeliums-Förderer« ist und dass es »sehr einfach« sei, »Menschen von Christus zu erzählen, nachdem sie geheilt worden sind«, zieht daraus aber nicht den Schluß, dass alle Geheilten Gläubige werden. Witt ist der gleichen Überzeugung, wenn er feststellt, das sich die von Jesus Geheilten nicht notwendigerweise zu ihm bekehrten: „Jesus hat seine Heilungswunder auch dann getan, wenn die Frucht der Buße ausblieb.“

Heilungen geschehen typischerweise in einer »Atmosphäre des Glaubens«

In der charismatischen Literatur bei Michael Coleman, Benny Hinn, Jack Deere, John Wimber und anderen Autoren findet häufiger ein Ausdruck Verwendung, der den Zustand beschreibt, in dem sich typischerweise Heilungswunder manifestieren: Man spricht von einer ganz bestimmten »Atmosphäre des Glaubens und der Hoffnung«[27], weniger von der Glaubenstat Einzelner.