Wer ist der Heilige Geist? (2)

b) Seine Taufe, Früchte und Charismen

6.  Die Taufe im Heiligen Geist

6.1  Die Bezeichnung dieser Erfahrung
In diesem Kapitel betrachten wir das Ereignis des Pfingstwunders etwas näher. Johannes der Täufer sprach prophetisch davon, als er sagte: „Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er [Jesus] aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ (Mk 1,8). Das Wörtchen „mit“ ist die Übersetzung des griech. Wortes en, das „in“ bedeutet im Sinne von „in den Heiligen Geist hinein“. In Zusammenhang mit dem griech. Wort für „Taufe“ baptizo  - die Tränkung eines Stoffes in einem Medium - wird deutlich, was gemeint ist: Bei Johannes war das Medium das Wasser des Jordans, bei Jesus ist es der Heilige Geist. Deshalb sprechen wir von der (1) Taufe im Heiligen Geist. Andere Begriffe sind: (2) die Erfüllung mit dem Heiligen Geist , (3) die Ausgießung des Heiligen Geistes , (4) das Empfangen des Heiligen Geistes  und (5) das Herabkommen des Heiligen Geistes . Ganz gleich, wie die Wortwahl ist, der Gedanke ist immer der einer Taufe. Das bedeutet, dass man völlig von dem Heiligen Geist in seinem Denken, Wollen und Handeln bestimmt und von seiner Salbung durchdrungen ist.

6.2  Was die Taufe im Heiligen Geist nicht ist
Die Taufe im Heiligen Geist ist nicht die Wiedergeburt. Dies geht aus folgenden vier Ereignissen deutlich hervor:
(1) Die Apostel erhielten schon unmittelbar nach der Auferstehung Jesu Vollmacht, Sünde im Namen Jesu zu vergeben. Er hauchte sie an und sagte: „Empfangt Heiligen Geist.“ (Joh 20,22)  Damit waren sie von neuem geboren. Zusätzlich benötigten sie aber eine weitere Erfahrung, die sie zu Pfinsten in der Taufe im Heiligen Geist machen sollten. Hierzu ermutigte sie Jesus (Lk 24,49).
(2) Paulus wurde auf der Straße nach Damaskus in einer Vision durch eine persönliche Begegnung mit Jesus errettet. Danach war er willig, Jesus zu folgen. Drei Tage später wurde er erst mit dem Heiligen Geist getauft, als Hananias für ihn betete (Apg 9,17.18).
(3) Später fragte Paulus zwölf Männer in Ephesus, von denen es ausdrücklich heißt, dass sie bereits „Jünger“ waren: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ (Apg 19,2) Erst als Paulus für sie betete, „kam der Heilige Geist auf sie“ (V.6, Elberf.).
(4) Die Samariter wurden unter der Predigt des Philippus gläubig und ließen sich sogar mit Wasser taufen (Apg 8,12). Dennoch berichtet Lukas, dass sie noch nicht den Heiligen Geist empfangen hatten. Dies veranlaßte Johannes und Petrus, nach Samaria zu reisen. „Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten, denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.“ (Apg 8,15.16)
 
6.3  Was ist die Taufe im Heiligen Geist?
„Gemäß dem Buch der Apostelgeschichte ist die vorrangige Absicht der Geistestaufe die Kraft. Der biblische Ausdruck ist dynamis - Kraft, Stärke und Macht - und steht für die Ausrüstung mit geistlicher Kraft.“  Jesus sagte: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet“ (Lk 24,49), und „ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,8)  Erst nach der Taufe im Heiligen Geist waren die Jünger dazu befähigt, effektive Zeugen Christi zu sein. Petrus, der sich von Furcht gepeinigt mit den anderen Jüngern einschloß (Joh 20,19), predigte nun in aller Öffentlichkeit das Evangelium, mit dem Resultat, dass sich 3000 Menschen bekehrten (Apg 2,41). Wir erkennen, dass die Taufe im Heiligen Geist eine Ausrüstung zu einem geistlichen Dienst ist.
Als Jesus auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem die „Ströme von lebendigem Wasser“ ansprach, weissagte er über die Taufe im Heiligen Geist. Damals erklärte Johannes: “der Geist war noch nicht gegeben ...“ (Joh 7,39). Doch zu Pfingsten ging dieses Wort in Erfüllung. Der Strom oder Fluß bildet eine gute Illustration: er fließt durch ein Land und ist für jedermann bestimmt. Die Quelle dagegen, die Jesus im Gespräch mit der Samariterin erwähnt (Joh 4,14), ist im privatem Besitz. Sie reicht nur für den persönlichen Bedarf. Wer dagegen für seinen Dienst im Reich Gottes ausgerüstet sein will, für ihn gilt mit der Taufe im Heiligen Geist: „aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Joh 7,38)
 
6.4  Ein typisches Kennzeichen: die Sprachen- / Zungenrede
„Mit der Taufe im Heiligen Geist werden häufig besondere Gaben ausgeteilt.“
Zu Pfingsten ereigneten sich zwei Arten von Sprachwundern:


6.4.1 Das Wunder der Sprachenrede
 „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“ (Apg 2,4-6)  Der Kontext macht sehr deutlich, dass das Erstaunliche an dieser Art der Inspiration war, dass die Juden in nie zuvor gelernten fremden Sprachen redeten . Es waren aus vielen Nationen (V.9-11) Gäste zum Pfingstfest nach Jerusalem angereist, die sich fragten: „Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören“? (V.8)  Gott zeigte mit diesem Wunder, dass das Evangelium nicht nur den Juden galt, sondern allen Nationen. Dass durch dieses Sprachwunder das Evangelium gepredigt wurde, macht Vers 8 deutlich.  Die Ausländer sagten: „wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“


6.4.2  Das Wunder der Zungenrede
Die zweite Art des Sprachwunders ist die Zungenrede. „Zunge“ ist die direkte Übersetzung des gr. Wortes glossa, das in diesem Zusammenhang Verwendung findet. Der Apostel Paulus beschreibt die Zungenrede wie folgt: „wer in Zungen redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; keiner versteht ihn: Im Geist redet er geheimnisvolle Dinge.“ (2Kor 2,4)  Im Gegensatz zur Sprachenrede, mit der gepredigt wurde, kann die Zungenrede nicht von Menschen verstanden werden. Sie ist also keine Fremdsprache, sondern eine völlig neue Sprache mit neuen Lauten. Die Schlachter-Bibel übersetzt dieses Sprachwunder zu Pfingsten so: „Und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an in andern Zungen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab.“ (Apg 2,4; Schlachter)  Der Zusatz „wie der Geist es ihnen auszusprechen gab“ weist auf die geistliche Inspiration hin, wie Paulus es sagt: „Im Geist redet er geheimnisvolle Dinge.“
Weiterhin sagt Paulus im Korintherbrief: „Ich will nicht nur im Geist beten, sondern auch mit dem Verstand. Ich will nicht nur im Geist Gott preisen, sondern auch mit dem Verstand.“ (1Kor 14,15)  Natürlich kann man auch inspirierend, also geisterfüllt mit dem Verstand beten. Das „Im Geist beten“ bezieht sich daher auf die „Geistessprache“, wie die Zungenrede auch gelegentlich genannt wird. Beide Arten des Gebets traten bei der Taufe im Heiligen Geist auf, mit der die Hausbewohner des Kornelius getauft wurden: Es „kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.“ Die mit Petrus mitgekommenen Juden „hörten sie [Kornelius’ Hausgenossen] in Zungen reden und Gott preisen.“ (Apg 10,44.46)  Die Zungenrede wird hier als Folge der Taufe im Heiligen Geist betrachtet, die als „Gabe des Heiligen Geistes“  bezeichnet wird: „Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden ...“ (Apg 10,45-46)  
Eine dritte Begebenheit in der Apostelgeschichte, in der die Zungenrede als sichtbares Zeichen für das Empfangen der Taufe im Heiligen Geist erwähnt wird, ist die Taufe der Epheser: „Paulus legte ihnen die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.“ (Apg 19,6)  Alle zwölf Männer (V.7), mit denen Paulus hier betete, sprachen in Zungen, nicht nur ein oder zwei Personen, für die diese Gabe vorherbestimmt war. Wie läßt sich dies mit 1Kor 12,30 in Einklang bringen, wo Paulus die rhetorische Frage stellt: „Reden alle in Zungen?“ - Der Kontext gibt hier eine implizierte, verneinende Antwort vor. - Die Antwort liegt darin, dass Paulus im 12. Kapitel von den neun Geistesgaben spricht, zu denen „verschiedene Arten von Zungenrede“ (1Kor 12,10) gehören sowie „prophetisches Reden“ bzw. „Weissagung“ (Lut.), in Apg 19 jedoch von einem mitfolgenden Zeichen für die Taufe im Heiligen Geist die Rede ist: „Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: ... [sie werden] in neuen Zungen reden“ (Mk 16,17; Lut).
Wenn in diesem Kontext häufig geweissagt wird, dann verstehen wir darunter verständliche Rede „zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung.“ (1Kor 14,3)  Paulus macht deutlich, dass alle Gläubigen in diesem Sinne weissagen und auch in Zungen reden können; er fordert sie hierzu auf, indem er sagt: „Ich wünschte (möchte; Elberf.), ihr alle würdet in Zungen reden, weit mehr aber, ihr würdet prophetisch reden.“ (1Kor 14,5; siehe auch V. 31)  Diese „Zeichen“, die mit der Taufe im Heiligen Geist geschenkt werden, sind also für jeden Gläubigen da, während die neun Gaben des Heiligen Geistes, zu denen die „Arten von Zungenrede“ und „die Gabe, sie zu deuten“ gehören, so vom Heiligen Geist ausgeteilt werden, „wie er will“ (1Kor 12,10.11).


6.4.3  Persönliche Anwendung der Zungenrede
(1)  Zur Hilfe im Gebet - Paulus erklärt: „Denn wer in Zungen redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; keiner versteht ihn: Im Geist redet er geheimnisvolle Dinge.“ (1Kor 14,2) „Wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist“ (V. 14a; Lut). „Mein Verstand ist fruchtleer“ (V. 14b; Elberf.). „Viele Dinge bleiben uns verborgen und „wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ (Röm 8,26)
(2)  Zur persönlichen Erbauung: „Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst“ (Kor 14,4). Gott sagte über Paulus: „Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muß.“ (Apg 9,16)  Später offenbarte Paulus sein Geheimnis, wie er es lernte, inmitten von Verfolgung und Schmähung mit dem Druck umzugehen: „Ich danke Gott, dass ich mehr als ihr alle in Zungen rede.“ (1Kor 14,18)
(3) Zur Danksagung und Anbetung: Deutlich unterschied der Apostel den Lobgesang „mit dem Verstand“ von dem, den er mit Hilfe der Zungenrede praktizierte; er betonte ausdrücklich: „ich will lobsingen mit dem Geist“. (1Kor 14,15; Elberf.)  Dies taten auch die im Hause Kornelius im Heiligen Geist Getauften, von denen Lukas berichtet: Man hörte sie „in Zungen reden und Gott preisen (Elberf.: erheben)“ (Apg 10,46).


7.  Die Früchte des Heiligen Geistes


7.1  Charakter ist wichtiger als Charisma
Eine Ausgewogenheit in der Lehre über die Früchte und Gaben des Heiligen Geistes ist sehr wichtig, da es von jedem genau neun in der Zahl gibt. Die Früchte des Heiligen Geistes machen in ihrer Summe das aus, was wir unter einem starken Charakter verstehen. Da begabte Personen immer die ersten sind, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen, können die Gaben mit schönem Schmuck verglichen werden. Sie mögen den Körper eines Menschen verzieren, die Früchte dagegen stehen für das, was der Mensch wirklich ist und für das, was er tut, wenn keiner zusieht. König Salomo macht dies an einem Beispiel fest: „Ein schönes Weib ohne Zucht (Feingefühl; Elberf.) ist wie eine Sau mit einem goldenen Haarband.“ (Spr 11,22)  Aus dieser Erkenntnis folgt ganz offensichtlich: Charakter muß wichtiger sein als Charisma . Wir wollen ihn zuerst behandeln.
Die Früchte des Heiligen Geistes drücken unsere Christusähnlichkeit aus. Wir sollen dabei von der Rebe am Weinstock lernen. Jesus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,5)  Des weiteren sagt er: „Jede [Rebe], die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.“ (V.2)  Charakter wird also nicht durch Willensstärke allein gebildet. Es ist Jesus, der ihn in uns durch den Heiligen Geist entwickeln muß. Dies geschieht durch folgenden Reinigungsprozeß: „Durch bejahendes Ertragen von Leid - wobei man sich weder beklagt noch anderen die Schuld zuweist - entwickelt sich ein starker Charakter. In diesem Zusammenhang spricht Paulus sogar über die Freude im Leid: ‘Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.’ (Röm 5,3)“


7.2  Die neun Früchte
Die Früchte des Heiligen Geistes werden in Gal 5,22-23 aufgezählt. Sie sind:
•    Liebe - hierunter verstehen wir nicht die profane weltliche Liebe, körperlicher oder seelischer Art, sondern die göttliche Liebe, gr. agape, wie sie im 1. Korintherbrief, Kap. 13 beschrieben ist. Durch sie werden alle übrigen Gebote erfüllt.  Sie soll das Erkennungsmerkmal der Christen sein.
•    Freude - Die Freude am Herrn ist unsere geheime Kraft.  (s. Kap. 4.7, Wein)
•    Friede - Jesus gibt „nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt“.  Sein Friede bewirkt schlußendlich „Einheit des Geistes“.   (s. Kap. 4.1, Taube)
•    Langmut - Geduld ist meistens das, was bei unserem Glaubenswandel fehlt. Sie ist eine wichtige Voraussetzung zur Erlangung der Verheißungen Gottes.  Sie ist auch erforderlich, um die Schwächen seines Nächsten zu ertragen.
•    Freundlichkeit - Freundlichkeit ist auch im Leben der Nichtchristen erkennbar ; ihrem Wesen nach kann sie ohne den Geist Gottes aber nur oberflächlichen Wert haben. Die Frucht der Freundlichkeit dagegen ist ein Ausdruck der Weisheit Gottes ; sie „tröstet die Seele“  und bringt Heilung.
•    Güte - Der Gütige ist großzügig, gibt  und leiht  gern.
•    Treue -  Nichts kann die geistliche Reife eines Christen besser ausdrücken als ein Lebensstil der Treue, Zuverlässigkeit und Beständigkeit. Von geistlichen Leitern wird Treue verlangt.
•    Sanftmut - Sanftmütigkeit ist keine Schwäche. Sie drückt im Umgang mit anderen Personen die Ruhe eines Christen aus, der fest in der Gemeinschaft mit Gott verwurzelt ist.
•    Selbstbeherrschung - Selbstbeherrschung beginnt in den Gedanken , zeigt sich an den Worten , die man ausspricht, und ist das Resultat eines geistlichen Kampfes.


8.  Die Gaben des Heiligen Geistes
Während mit der Taufe im Heiligen Geist die eine „Gabe des Heiligen Geistes“ empfangen wird (s. Kap. 5), war es das Anliegen des Paulus, dass wir uns über weitere Gaben informieren: „Auch über die Gaben [Plural] des Geistes möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen, meine Brüder.“ (1Kor 12,1)  Insgesamt werden neun Gaben des Heiligen Geistes aufgezählt, die in drei Gruppen unterteilt werden können: (1) Drei von ihnen sagen etwas, (2) drei von ihnen offenbaren etwas (verborgene Wahrheiten) und (3) drei von ihnen tun etwas (die Taten Gottes).  Sie werden im ersten Korintherbrief, Kap. 12,8-11  und im Römerbrief, Kap. 12 aufgezählt.


8.1  Die Gaben der inspirierten Rede
•    verschiedene Arten von Sprachen - (gr., gene glosson). Der Hinweis auf die „Arten“ von Sprachen erinnert an die „Sprachen der Menschen und Engel“ (1Kor 13,1), wobei erstere auch „fremde (Elberf.: andere) Sprachen“ (Apg 2,4) und letztere „Zungensprache“ (Apg 10,46; 19,6) genannt wird.
•    Auslegung der Sprachen - (gr. hermeneuo). Das gr. Wort hat mehrere Bedeutungen: übersetzen, erklären und interpretieren. Einer langen Zungenrede kann eine kurze Auslegung folgen oder umgekehrt. Die öffentliche Zungenrede oder Engelsprache bedarf in gottesdienstähnlichen Veranstaltungen einer Auslegung.
•    Weissagung (prophetisches Reden) - (gr. prophetes). Das gr. Wort hat zwei Bedeutungen: Jemand, der 1. über künftige Dinge spricht und 2. für einen anderen.  Ein Dienst des Heiligen Geistes besteht darin, sein Volk auf Kommendes vorzubereiten; er will das „verkünden, was kommen wird.“ (Joh 16,13)  Dies erfolgt insbesondere durch die Geistesgabe der Weissagung bzw. Prophetie.  Darin enthalten ist die „Erbauung und Ermahnung und Tröstung“ (1Kor 14,3; Elberf.). [-> Beispiele ]


8.2  Die Gaben der Offenbarung
    Die drei offenbarenden Gaben müssen nicht notwendigerweise vokalen     Ausdruck finden; sie können in Form von inneren Eindrücken als     Entscheidungsgrundlage dienen. Zu ihnen gehören:
•    das Wort der Erkenntnis - Niemand ist allwissend außer Gott, doch er stellt einen winzigen Bruchteil - ein „Wort“ - seines Wissens mit Hilfe dieser Gabe zur Verfügung.  Diese geschieht in Form von Träumen, Visionen oder einem inneren Zeugnis. [-> Beispiele ]
•    das Wort der Weisheit - Gott besitzt unendliche Weisheit; der Mensch kann nicht ‘die Gabe der Weisheit’ empfangen, sondern lediglich „ein Wort“, also einen Bruchteil von Gottes Weisheit. Unterschieden wird diese Gabe von allgemeiner geistlicher Weisheit, in der jeder gläubige Christ wachsen darf.  Die Geistesgabe dagegen vermittelt übernatürliche Weisung, die in meist undurchsichtige Lebenssituationen hineingesprochen wird. Sowohl ‘das Wort der Erkenntnis’ als ‘das Wort der Weisheit’ geben einen Einblick in den Sinn Gottes; während ersteres übernatürliches Wissen vermittelt, bezieht sich das zweite auf die Anwendung desselben und damit auch auf zukünftige Dinge.
[-> Beispiele ]
•    Unterscheidung der Geister - (diakrisis pneumaton). Mit dieser Gabe erhält der Geistbegabte einen Einblick in die geistliche Welt, so dass Geister ihrem Wesen nach erkannt werden können - böse ebenso wie gute Geister. Das gr. Wort diakrino findet im übrigen auch in der Aufforderung des Paulus Anwendung, den „Leib des Herrn“ zu „beurteilen“ (1Kor 11,29) und über Prophetien zu „urteilen“ (1Kor 14,29). [-> Beispiele ]


8.3  Die Gaben der Kraftwirkungen (der Taten Gottes)
•    Wunderwirkungen - (energemata dynameon). Das gr. Wort bedeutet „Wirkungen von übernatürlichen Kräften“; sie sind unterschiedliche Manifestationen der Kraft des Heiligen Geistes. Unter einem Wunder verstehen wir den übernatürlichen Eingriff Gottes in den Verlauf der Natur.  
In der Bibel finden sich zahlreiche Beispiele von Wunderwirkungen im Leben der Propheten, von Jesus und seinen Aposteln.
•    Gnadengaben der Heilungen - Diese Geistesgabe wird zur Heilung von Krankheiten, zur Befreiung von Krankheitsgeistern und der von ihnen bewirkten Zerstörung verliehen. Von Jesus heißt es, dass er „alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren“ (Apg 10,38). Es gibt keine universale Gabe der Heilung, sondern verschiedene „Gnadengaben (Plural) der Heilungen (Plural)“ möglicherweise für verschiedene Krankheitsgebiete. „Einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.“ (1Kor 12,11)  Von Heilungsberichten ist überall in der Bibel die Rede.
•    Glauben in demselben Geist - Unterschieden werden muß diese Gabe vom allgemeinen Glauben, ohne den niemand ein Christ werden und für Gott leben kann. Mit der Gabe des Glaubens kann der Geistbegabte Gott auf eine solche Art und Weise vertrauen, dass er auf Weisung des Heiligen Geistes hin mit dessen Autorität „das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre“ (Röm 4,17). In einer Totenauferweckung z. B. wirkt diese Gabe mit der der Wunderwirkungen zusammen.
Der Apostel Paulus fordert jeden gläubigen Christen dazu auf: „Eifert aber um die größeren Gnadengaben!“ (1Kor 12,31; Elberf.)  Von den Gaben der inspirierten Rede ist die größte die der Weissagung , von den Gaben der Offenbarung ist „das Wort der Weisheit“ die größte Gabe und von den Gaben der Kraftwirkungen ist die des „Glauben[s] in demselben Geist“ die größte. - In einem anderen Sinne jedoch ist diejenige die größte Gabe, die gerade benötigt wird. Gott will sie niemandem vorenthalten. „Wenn wir aber auch verschiedene Gaben haben nach der uns verliehenen Gnade, zum Beispiel Weissagung, so stimmen sie doch mit dem Glauben überein!“ (Röm 12,6; Schlachter)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0