2. Eigene Mission finanzieren

Mission selbst finanzieren

Der entscheidende Vorteil der Berufstätigen liegt klar auf der Hand: Sie können ihre Mission oder ihr Missionsprojekt selbst finanzieren. Jesus sagte unmissverständlich: "Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch!" (Mt 10,8). Berufstätige sind nicht auf Spenden angewiesen. Sie müssen nicht Freunden oder Partnern regelmäßig berichten, um ihre Unterstützer davon zu überzeugen, dass deren Gaben sinnvoll investiert sind. Oft ist der Erfolg alles andere als messbar. Häufig wird nur Same ausgestreut und später ist es ein anderer, der erntet. Das machte Jesus ganz klar. Er selbst ist es, der in die Mission aussendet, eine Missionsorganisation kann dies nur bestätigen, muss es aber nicht. Auch wenn keiner an dich glaubt, kannst du in die Mission gehen. Und wenn du berufstätig bist, bringt deine ehrenamtliche Arbeit einen Lohn von unschätzbarem Wert mit sich, den wir in diesem Teil besser verstehen wollen: "Was ist nun mein Lohn?", fragte der Apostel Paulus: "Dass ich bei meiner Verkündigung das Evangelium kostenfrei mache …“ (1Kor 9,18)

 

Unterstütze echte Missionsprojekte

Bevor der Missionar Paulus darauf zu sprechen kam, warum er das „Evangelium kostenfrei“ verkündigte, betonte er erst einmal die Legitimität der Unterstützung von Missionaren: „Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es da großes, wenn

wir von euch das Irdische ernten?“ (1Kor 9,11) Für Missionare, die keine Möglichkeit haben, auf dem Missionsfeld ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, sind die Spenden von Gläubigen nicht nur willkommen, sondern auch ganz essentiell. In diesem Sinne spricht Paulus sogar von der Ordnung Gottes: „So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen, verordnet, vom Evangelium zu leben.“ (1Kor 1,14) Dies trifft für diejenigen zu, die tatsächlich das Evangelium verkünden. Deshalb ist es so wichtig, zu verstehen, was dies bedeutet.

 

Leider haben mnache kirchliche Managertätigkeiten heute kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Gedanken der Missionarsarbeit zu tun. Konkret bedeutete dies bei Paulus, ebenso wie bei der Aussendung der Jünger durch Jesus, dass die Missionare als Haupttätigkeit von Dorf zu Dorf zogen und das Evangelium predigten. Die Missionare, von denen Paulus schrieb, waren nicht Angestellte, die auf der Gehaltsliste einer Kirche standen. Sie waren genügsame Menschen, die sich als versorgt betrachteten, wenn sie Nahrung und Kleidung hatten: „Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns daran genügen lassen.“ (1Tim 6,8) Obwohl Paulus ausführlich betonte, dass ein solcher Missionar sich kein schlechtes Gewissen machen muss, Spenden entgegen zu

nehmen, trifft er eine Entscheidung für sich selbst und begründet sie wie

folgt:

„Ich habe von keinem dieser Rechte für mich Gebrauch gemacht.

Ich schreibe das auch nicht, weil ich es jetzt in Anspruch nehmen will.

Lieber würde ich sterben, als dass man mir diesen Ruhm zunichte macht.

Denn wenn ich die gute Botschaft verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen,

denn ich muss sie predigen.

Wehe mir, wenn ich es nicht tue! Wäre es mein freier Entschluss gewesen,

würde ich Lohn bekommen. Weil das aber nicht so ist, bin ich wie ein Sklave nur mit dem Amt

eines Verwalters betraut. Worin besteht nun mein Lohn? Er besteht darin, dass ich das Evangelium kostenfrei weitergebe und auf das verzichte, was mir dafür zusteht." 
(1Kor 9,15-18) - Paulus

 

Was für eine Stimme für den ehrenamtlichen Dienst! Es ist kaum vorstellbar, was Paulus hier beschreibt. Zwei ganz verschiedene Lebensweisen werden hier gegenübergestellt, die eine völlig andere Belohnung einbringen. Der Unterschied muss so gewaltig sein, dass Paulus lieber sterben würde, als diesen Lohn zu verlieren. Auf der einen Seite steht das traditionelle Modell der Bezahlung von Missionaren, auf der anderen Seite das Modell der Selbstfinanzierung. Meistens geschieht dies durch eine parallele Berufstätigkeit, wenn keine größeren Ersparnisse vorliegen. So kam der Punkt im Leben des Missionars, wo es für ihn keine annehmbare Option mehr war, für das Beten und Predigen bezahlt zu werden.

 

Niemandem zur Last fallen

Nachdem die Jünger ihre Netze verließen, lernten sie von Jesus, niemandem zur Last zu fallen. Einmal erklärte Jesus: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel haben ihre Nester, aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich ausruhen kann.“ (Lk 9,58) Es gibt einen Hinweis darauf, dass einige Frauen, die Jesus und die zwölf Apostel begleitet hatten, "sie mit ihrer Habe unterstützten" (Lk 8,1ff), was nicht unbedingt heißt, dass sie von ihnen voll versorgten wurden. Es gab keine geregelten Einkommen für die 13 Männer. Es ist gut vorstellbar, dass Jesus von seiner langen beruflichen Tätigkeit her erhebliche Ersparnisse hatte. Es ist auch nicht auszuschließen, dass er weiterhin sporadisch handwerklich tätig war und hin und wieder beim Errichten eines Dachstuhls mit anfasste.

 

Einmal verbot Jesus seinen Jüngern, ihr Portemonnaie mitzunehmen, damit sie Vertrauen in Gottes Fürsorge lernten: „Habt ihr da etwas entbehren müssen?, fragte

er sie. Nein, gar nichts, antworteten sie.“ (Lk 22,35) Nach dieser Lektion gab es jedoch eine zweite, eine weiterführende: „Aber jetzt, sagte er, nehmt Geldbeutel und Vorratstasche mit, wenn ihr sie habt.“ (V. 36) Daraus folgt: Von Spenden zu leben ist sicher eine interessante Erfahrung, die unseren Glauben stärken kann. Doch es muss nicht immer so bleiben.

 

Ein persönliches Zeugnis

Als ich anfing zu predigen, sprach Gott mit einigen Christen darüber, wie sie meine Bibelschulzeit und weitere theologische Ausbildung finanziell unterstützen könnten. Diese lieben Menschen segneten mich so sehr, dass ich nach dem Ende der Ausbildungszeit sogar noch Geld übrig hatte, ein neues Auto zu kaufen. Ich war völlig überwältigt von dieser Freigiebigkeit. Und natürlich war es mir eine Ehre, ihnen später mit dem Wort Gottes dienen durfte. Doch als junger Physiker hatte ich auch das Bedürfnis, meine Familie selbst zu ernähren. Es war mir ein Rätsel, warum meine

Bewerbungen mit einem tollen Diplom erfolglos blieben. Scheinbar sollte

es nicht so sein, dachte ich mir, andererseits gab es auch kaum offene Stellen

in jener Gegend. Meine Familie und Freunde baten mich ernsthaft darum, den

Aufbau der Gemeinde voll und ganz missionarisch zu unterstützen, wobei sie für

meinen Lebensunterhalt aufkommen wollten. Zuerst tat ich mich schwer mit diesem

Gedanken. Doch in der Organisation meiner Bibelschule war ich ohnehin als

Missionar geführt, und tatsächlich betrachtete ich mich auch so – als Heimatmissionar. Mein Hauptanliegen war es, das Evangelium zu verkündigen, wo immer ich konnte - Sonntags, Dienstags an Lehrabenden, in Erweckungsgottesdiensten, in der Wochenend-Bibelschule und fünf Jahre lang wöchentlich im Fernsehen – neben all den anderen Seminaren, Konferenzen, Kontakten und Gesprächen. Auch wenn es immer wieder Jahre dazwischen gab, wo ich ehrenamtlich arbeitete und auf finanzielle Unterstützung verzichtete, lebte ich etwa 12 Jahre lang im Vertrauen auf Gottes Versorgung. Zurückblickend war dies sicherlich eine gute Erfahrung, um Vertrauen in Gottes Fürsorge zu lernen. Doch die nachfolgende, viel größere Herausforderung sollte es für mich sein, nicht nur auf Predigthonorare zu verzichten, sondern auch aus dem eigenen

Geldbeutel heraus in diesen Dienst zu investieren. Eigentlich hatte ich dies

von Anfang an vorgehabt. Eine innere Stimme sagte mir schon immer, dass dies

der elegantere Weg sei. Doch es brauchte seine Zeit, bis ich Gottes Willen für mich klar

erkennen konnte. Endlich war es dann soweit. Erst aufgrund meiner Tätigkeit als

Qualitätscoach und Berater bei einem großen Automobilzulieferer war ich in der

Lage, meinen Dienst aus dem finanziellen Überfluss heraus anzubieten.

 

Ich konnte erkennen: Beides hat seine Berechtigung, ohne eigenen Geldbeutel und mit eigenem Geldbeutel auszuziehen. Doch interessant ist, dass bei Jesus die zweite Variante nach der ersten kam. Es scheint, als ob die zweite Variante eine ganz besondere

Herausforderung ist. Die entscheidende Aussage bringt Jesus mit folgendem

Merksatz auf den Punkt: „Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch!“ (Mt 10,8). 

 


Konsequenzen und nächste Schritte

  1. Die Schöpfungsordnung hat es vorgesehen, dass der Mensch durch Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient.  Dies gilt prinzipiell auch für jeden, der sein eigenes Missionsprojekt leitet oder missionarisch tätig ist. Der Segen, der auf der ehrenamtlichen Verkündigung des Evangeliums liegt, ist so gewaltig, dass der Apostel Paulus lieber sterben würde, als darauf zu verzichten.Für einen Missionar, der zum Beispiel aufgrund örtlicher Gegebenheiten keine Möglichkeit hat, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, können auch Spenden eine Zeit lang ein Segen sein und helfen, dass das Evangelium verbreitet wird. Missionsprojekte mit einem klaren Anfang und Ende können so unterstützt werden. Einzelne Missionsreisen können solche zeitlich begrenzten Projekte sein. Selbst das öffentliche Wirken Jesu hatte einen klaren Anfang und ein klares Ende. Doch im Vergleich zu der langen Berufstätigkeit Jesu als Zimmermann war es ein relativ kurzes Projekt.Wer berufstätig ist, sollte nicht glaublen, dass man erst durch eine berufliche Kündigung und einen Spenderkreis für die Mission freigesetzt werden muss. Wahrhaft frei sind solche Missionare, die auch die Möglichkeit haben, ehrenamtlich neben einer beruflichen (zumind. Teilzeit) Arbeit Menschen zu Jüngern zu machen.

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