1. Warum Jesus arbeitete

Der erste Vers der Bibel lautet: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ Dann, so heißt es weiter, segnete Gott den siebenten Tag und nannte ihn heilig. Warum? Weil er von seinen Werken ruhte (1Mo2,3). Das klingt eigentlich merkwürdig, denn Gott war nicht erschöpft. Ich denke, er wollte uns hier etwas anderes mitteilen: Dass er durchaus Freude an seinen Werken hat und sie auch genießen kann. Im Genesis wird Gott also als derjenige beschrieben, der die Arbeit erschaffen hat und sie auch liebt.

  • Er plante sorgfältig einen Prozess nach dem anderen
  • Er definierte jede Komponente wie ein Ingenieur
  • Er sorgte für alle Ressourcen wie ein guter Manager
  • Er kategorisierte sie wie ein Wissenschaftler
  • Dann formte, pflanzte und baute er die Dinge 
  • Und schließlich prüfte er die Qualität seiner Arbeit wie ein Qualitätssicherer

Seine Arbeit reflektiert das, was und wer er ist. So sehen wir, dass Gott die Arbeit erfunden hat. Es ist der Stress, der nicht von ihm kommt. Wie sieht es bei Ihnen, bei dir aus? Liebst du deine Arbeit? Ist sie Teil deiner Bestimmung oder eher der Ort deines Gefängnisses?

 

Warum der Sohn Gottes 18 Jahre als Bauarbeiter arbeitete

Ein jüdisches Sprichwort geht so: Wer seinen Sohn nichts lernen lässt, erzieht ihn zum Diebe. Deshalb begann ein Vater seinen Sohn bereits ab dem Alter von 12 Jahren beruflich auszubilden. Heute sind sich die Theologen darüber einig, dass Jesus das Handwerk des Zimmermanns (Mk 6,3) schon sehr früh lernte. Und man weiß, dass er diesen Beruf mindestens bis zum Beginn seiner öffentlichen Lehrtätigkeit mit 30 Jahren ausübte. 18 Jahre Berufstätigkeit waren eine sehr lange Zeit im Vergleich zu den ca. 3 Jahren seines öffentlichen Wirkens. Innerhalb diese Missionsprojektes nahm er zwar Spenden entgegen, doch vielleicht nutzte auch seine Ersparnisse, die er sich erarbeitet hatte.

 

Eines fällt auf jeden Fall auf: Für den Sohn Gottes waren in Anbetracht seines kurzen Lebens und einzigartigen Auftrages die 18 Jahre Berufstätigkeit eigentlich viel zu lang, könnte man meinen. Versetzen wir uns doch einmal in die Lage des himmlischen Vaters. Wahrscheinlich hätten wir unserem Sohn Jesus dazu geraten, sich gleich von Anfang an auf seinen Predigtauftrag zu konzentrieren. Wir hätten ihn daran erinnert, wie brillant er die Schriften ausgelegt hat. Bereits im Alter von 12 Jahren verblüffte er schon die Theologen im Tempel. Dazu kam, dass er sie mit Vollmacht lehrte und nicht nur Information und Wissen kommunizierte.  Alle warteten auf Ihn, so schien es. Sowieso sehnten sie sich nach einem Messias. Wieso also weiter Zeit mit säkularer Arbeit verschwenden? Ich kenne Missionare, die schon im Alter von 16 Jahren aufs Missionsfeld nach Afrika gingen. Jesus hätte garantiert viel früher beginnen können - mit seinem "wirklich geistlichen" Dienst, wie wir meinen. Ja, wir sind es gewohnt so zu denken, weil diejenigen, die von Gott begeistert sind, entweder Pastoren oder Missionare werden, meinen wir zumindest. Wer sagt schon: "Ich bin so dermaßen fasziniert von Gott, dass ich unbedingt ins Berufsleben gehen muss!" - Und doch war es bei Jesus so. Das wiederum sollte uns nachdenklich stimmen. Vielleicht sogar aufrütteln.

 

Es war auch offensichtlich, dass Jesus eine gewisse Affinität zu den kranken und hilflosen Menschen hatte. Der himmlische Vater beobachtete dies genau. Nun ja, wenn er denn nun unbedingt einen Beruf erlernen wollte, dann wenigstens einen, der mit seiner Berufung als späteren Heiler zu tun hatte, könnte man meinen. Wir hätten wahrscheinlich Jesus dazu geraten, Arzt zu werden wie sein Freund Lukas. So hätte er seine Heilungen aus ärztlicher Sicht gleich bestätigen können. Oder wenn er Psychiater oder Psychologe geworden wäre, hätte er auch seine Dämonenaustreibungen plausibler machen können. - Und dennoch wissen wir, dass es nicht so kam. Jesus erlernte einen ganz normalen handwerklichen Beruf, der augenscheinlich nichts, rein gar nichts mit seiner Berufung zu tun hatte. Das war das eigentlich Verblüffende. Es stellt sich also die Frage, ob die säkulare Arbeit nicht eine sehr viel größere Bedeutung haben muss als wir vermuten.

 

Die 18jährige Berufstätigkeit von Jesus erinnert auch an die Schöpfungsordnung. 18 Berufsjahre im Vergleich zu drei Jahre Mission führt zu dem Verhältnis 18:3 oder 6:1. Ebenso arbeitete Gott in der Schöpfung sechs Tage lang mit einem Tag Ruhe. Wiederum finden wir das Verhältnis 6:1. Dabei ist interessant, dass Gott die Himmel und die Erde durch Sein Wort erschuf. Nach dem Johannesevangelium wird Jesus Christus das Wort genannt (Joh 1,1.14). Demnach ist Jesus selbst der Gott, der dieses Universum erschaffen hat und damit der arbeitende Schöpfer. Das bestätigt auch Paulus in seinem Brief an die Kolosser: "Denn durch ihn [Jesus] wurde alles erschaffen ..." [Kol 1,16]. Es war dieser ewige Jesus selbst, der von seinen Werken ruhte. Und genauso kommt Er erneut auf diese Erde - als ein Arbeiter!

 

Indem Jesus Seiner beruflichen Tätigkeit einen dermaßen hohen Stellenwert beigemessen hat, setzte Er einen Standard - auch für uns. Nein, er wollte nicht nur Rabbi sein, der dem Volk allein Instruktionen erteilte. Er sah sich als Vorbild, und zwar im Wort UND im Werk für unseren Lebensalltag.

 

In der Zeit Jesu gab es übrigens am Nordwestufer des Sees von Genezareth einen regelrechten Bauboom, so dass viele neue Häuser gebaut wurden. So ist auch verständlich, warum Jesus so oft am See war - einfach aus beruflichen Gründen. Von Nazareth aus nahm er oft eine Tagesreise auf sich. Doch es lohnte sich, weil es dort viel zu tun gab. Auch viele andere jüdischen Lehrer waren damals Handwerker, denn Rabbi zu sein war kein Hauptberuf. Heute bin ich bin davon überzeugt, dass die geistlichen Leiter mit der höchsten Integrität gewöhnlich solche Menschen sind, die auch in ihrem säkularen Beruf nicht versagt haben.

 

Zur Zeit Jesu waren Handwerker entweder Selbständige oder Angestellte. Sie gehörten damit zu den wenigen sozialen Gruppen, die nicht versklavt oder mit der römischen Besatzungsmacht verbunden waren. Bei anderen Berufsgruppen, wie den Zöllnern oder Steuereinnehmern, sah es anders aus. Deshalb war die Erwartung des Volkes auch so groß, dass Jesus eine Widerstandsbewegung gegen die römische Fremdherrschaft gründen sollte. Die Unabhängigkeit durch seinen Beruf bot eine ideale Voraussetzung dafür. Doch natürlich hatte Jesus diese berufliche Voraussetzung nicht nötig, um unabhängig sprechen zu können. Von Seinen Zuhörern erhielt er jedoch so einen enormen Vertrauensvorschuss.

 

Für uns heute war Jesus ein enorm hilfreiches Vorbild, indem er für seinen Lebensunterhalt selbst aufkam. Auch uns fällt es leichter, unsere Überzeugung zu vertreten, wenn wir frei von dem Zwang sind: Wes Brot ich esse, des Lied ich singe.

 

Weshalb ich arbeite

Manche Leute sind auf ihrer Arbeitsstelle fast lebenslänglich gefangen! Deshalb ist es ganz gut, sich einmal folgende Fragen zu stellen:

  • Arbeite ich nur, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen?
  • Arbeite ich nur, um mir Wohlstand aufzubauen?
  • Halte ich die Arbeit für etwas Geringes, um etwas Höheres damit zu finanzieren?
  • Bin ich nur deshalb berufstätig, um mit meinen finanziellen Mitteln Geld spenden zu können oder wirklich fromme, sogenannte "geistliche" Projekte zu unterstützen?
  • Geht es mir nur ums Geld?
  • Oder arbeite ich nur deshalb, um Erfahrung für ein Leitungsamt in einer Gemeinde zu sammeln?

Leider würden selbst viele Christen dies heute so sehen. Doch wenn ich auch nur auf eine einzige dieser Fragen mit "Ja" antworten muss, möchte ich gerne von dem Zimmermann lernen. - Die Bibel sagt, dass auch wir uns an unseren Werken erfreuen können (Pred 3,22). Die Arbeit an sich kann tatsächlich Befriedigung mit sich bringen. In diesem Sinne kann man auch auf den Montag gespannt sein. Damit ist aber nicht gemeint, dass wir in unserer beruflichen Tätigkeit gleich unsere Identität suchen sollen. Viele, die dieses Ziel verfolgt haben, sind enttäuscht worden. Denn Gott hat uns so erschaffen, dass wir allein durch Ihn leben und zu Ihm hin. Gleichzeitig ermöglicht er es aber auch, dass unsere Arbeit diese Identität ausdrücken kann. Das ist das Schöne.

 

Im Ruhestand fällt der gläubige Mensch deshalb auch nicht in ein Existenzvakuum, weil sein Wert nicht in dem besteht, was er tut, sondern in dem, wer er durch und in Christus ist. Nur so wird Gott ihm immer neue Perspektiven und Aufgaben schenken, damit wir unseren Glauben ausdrücken können. 

 

Es stimmt: Unsere Erfahrungen im beruflichen Umfeld mögen uns auch in anderen Bereichen nützlich sein. Doch die eigentliche Bestimmung der Arbeit ist es, Gott damit zu ehren: Der Apostel Paulus formulierte es einmal so:„Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen, und dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kol 3,17)

 

Weitere berufliche Vorbilder

In der Bibel gibt es ein Kapitel, das ganz bedeutenden Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte gewidmet ist. Als ein solches Kapitel hat es für Christen einen ganz besonderen Wert, da Gott Seine Geschichte anders schreibt als die Autoren unserer Geschichtsbücher. Gott ehrt insbesondere jene Menschen, die einen ausdauernden Glauben bewiesen haben. Genau dazu finden das elfte Kapitel im Hebräerbrief der Bibel. Auffällig ist dabei, dass so gut wie alle Glaubensvorbilder einer säkularen Tätigkeit nachgingen, wobei zu den berühmtesten Persönlichkeiten Noah, Abraham, Joseph, Mose und David gehörten.

  • Abraham wird in der Bibel der Vater des Glaubens genannt, und es gibt wohl kaum ein größeres Vorbild als ihn. Er erfüllte eine Funktion, die wir heute als Viehzüchter, Geschäftsmann und Investor bezeichnen würden.
  • Auch Josephs prophetischer Dienst begann, ähnlicher wie bei Abraham, bei der Arbeit mit Tieren im Hause seines Vaters Jakobs. Später fand er sich dann in der Verwaltung eines ägyptischen Gefängnisses wieder und schließlich im höchsten Verwaltungsamt bei den Ägyptern. Joseph hatte als Manager die globale Lebensmittelversorgung in einer Hungersnot zu verantworten.
  • Oder denken wir an Mose: Als ausgebildeter Akademiker führte er die Herden seines Schwiegervaters und lebte als Nomade, bevor er schließlich der politische Führer seiner Nation wurde.
Diese und viele andere Menschen, die in der Bibel erwähnt werden, waren keine Priester, Leviten oder Pastoren einer Kirche. Sie waren von keiner Missionsorganisation ausgesandt und lebten nicht von Spenden. Gott benutzte sie, um den Lauf der Geschichte ihres Volkes zu ändern. In jedem dieser Beispiele bediente sich Gott ihrer Arbeitsumgebung, um sie zu prägen und zu formen, und Er öffnete ihnen Türen für das Reich Gottes.
Tatsache ist, dass Gott durch uns an der Arbeitsstelle und am Ort unserer arbeitenden Tätigkeit wirken möchte.
Im nächsten Abschnitt zeigt uns der Missionar Paulus, der über die Hälfte des Neuen Testamentes schrieb, warum er unbedingt darauf bestand, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

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