5. Den Sohn Gottes richtig erkennen

Es gibt viele Menschen, die Jesus als Retter, Ratgeber und Heiler kennen gelernt haben – als eine Quelle, von der ihre Segnungen ausgehen. Diese Art der Erkenntnis des Sohnes Gottes steht meistens am Anfang unseres Glaubenslebens. Jesus erklärte: „Ihr sucht mich, ... weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid (-> Speisung der 5000).“ Doch er war darum bemüht, dass wir ihn nicht nur auf dieser materiellen Ebene erfahren: „Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch geben wird! Denn diesen hat der Vater, Gott, BEGLAUBIGT!“ (Joh 6,26-27) Mit anderen Worten: Erkennet den beglaubigten Sohn Gottes, indem ihr euch für die richtige Speise einsetzt! Was genau ist es, was wir an Jesus entdecken sollen? Und was ist das für eine Nahrung, die mit der Erkenntnis des Sohnes Gottes kommt? In unserem geistlichen Wachstumsprozess sind Antworten auf diese Fragen lebensnotwendig.

Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten. Er gab Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit sie die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten und so der Leib des Christus aufgebaut wird mit dem Ziel, dass wir alle die Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes erreichen; dass wir zu mündigen Christen heranreifen und in die ganze Fülle hineinwachsen, die Christus in sich trägt. (Epheser 4,11-13)

 

Den Sohn erkennen

Meistens werden die Wunder Jesu als ein Beweis dafür angeführt, dass Jesus durch den Vater beglaubigt, also anerkannt und bestätigt wurde. Doch als Jesus gefragt wurde: „Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?“ sagte er, dass Er selbst das Zeichen wäre. Darüber hinaus tat er kein weiteres Wunder. Einmal sagte er sogar: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.“ (Mt 12,39)

 

Wenn Gott Heilungen und Wunder wirkt, lässt er sie als Zeichen des herannahenden Reiches Gottes geschehen. Sie geschehen ganz souverän, wie der Geist es will. Wunder dürfen zwar erbeten, können aber nicht garantiert werden, weil sie nicht das entscheidende Zentrum des Evangeliums sind. Sie wurden deshalb auch nie als Beweis für den Sohn Gottes verwendet (sie sind übrigens auch kein Beweis für die Echtheit eines Evangelisten).

 

Wir leben in einer wundersüchtigen Generation, die von Untreue und Werteverfall (z. B. der Ehe) geprägt ist, außerhalb und leider genauso innerhalb der heutigen Kirche. Unsere Gebäude lassen sich leicht durch Heilungsversprechen füllen und Himmelserfahrungen. Menschen, die so viele Visionen von Jesus gehabt haben, dass selbst ein Jesaja oder ein Elia neidisch werden könnten, geben Seminare über übernatürlichen Erfolg und verkaufen Bücher, die Wunder auf materieller Ebene versprechen – alles natürlich durch Gottes Kraft. Sogar ganze Stadien lassen sich mit diesen Themen füllen, weshalb es künftig kein Problem sein wird, dass „falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen.“ (Mk 13,22) Dieses waren die Worte Jesu.

 

Durch Liebe bestätigt

Das griech. Wort, welches in Joh 6,27 mit „beglaubigt“ übersetzt wurde, ist in allen anderen Stellen mit „versiegeln“ übersetzt. Es bedeutet: „bestätigen, verbürgen, ALS ECHT ausweisen“. Die Echtheit des Sohnes Gottes wird an seiner eindeutigen Liebe offenbar. Sie verändert uns. Sie bestimmt das Leben seiner Nachfolger und wiederum ihren Umgang miteinander. An dieser ungeheuchelten Liebe werden sie sogar erkennbar, sagte Jesus: „Daran werden alle erkennen, dass ihr MEINE Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh 13,35) Wir gehören tatsächlich Jesus, wenn wir uns in Seiner Liebe bewegen.

 

Eine der größten Offenbarungen, die ich über den Sohn geschenkt bekam, war die, dass er der geliebte Sohn ist. Immer wieder heißt es: „Denn der Vater hat den Sohn lieb“ (Joh 5,20) Es ist genau diese Liebe und die Einheit der Gottheit, die er zu uns gebracht hat. Sie sind Seine Auszeichnung.

 

In unserer Liste in Epheser 4 kommt die Erkenntnis des Sohnes direkt nach der Einheit des Glaubens. Suchen wir die Einheit untereinander, werden wir den Sohn Gottes von einer neuen Seite erkennen. „Wir erkennen stückweise“ (1Kor 13,9), erklärte Paulus. Heute bete ich, dass wir ein ordentliches Stück nach vorne kommen.

 

Auf einer Konferenz in Duisburg berichteten mir einige Christen von der größten deutschen Moschee, die in ihrer Stadt gebaut wird. In ihrer Stimme lag eine gewisse Unsicherheit, zumal auch beträchtliche Steuergelder in dieses Projekt fließen. Ich sah auch, wie sie sich über das öffentliche Bild der Christenheit in ihrer Stadt Gedanken machten. Und ich bemerkte einmal mehr, dass die kirchliche Autoritätsvorstellung immer noch sehr unklar ist, wo doch große Gebäude nichts über unsere geistliche Autorität auf Erden aussagen. Um Irritationen vorzubeugen, bediente sich Jesus vor 2000 Jahren gar nicht erst dieser Mittel. Er gründete keine Partei und brauchte auch keine Parteizentrale. Er war nicht Vorsitzender einer Organisation. Er verzichtete auf Staatssymbole, und statt einem Pferd wählte er für seinen Ritt nach Jerusalem nur einen Esel. Seine Autorität lag definitiv nicht in äußeren Dingen, sondern in der Liebe zu den Menschen und der Einheit, die er mit dem Vater besaß.

 

Durch Seine Braut bestätigt

Heute drückt sich Jesus in erster Linie durch Seinen Leib, die Gemeinde, aus. JE MEHR WIR DIE LIEBE JESU REFLEKTIEREN, DESTO MEHR WIRD SEINE AUTORITÄT IN DIESER WELT WAHRGENOMMEN. Auch die Autorität der Gemeinde hängt übrigens davon ab, wie sie als Braut Jesu in der Liebe und Einheit zusammenwächst.

 

Die Braut Sulamith bat im Buch Hohelied ihren König: „Leg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol die Leidenschaft.“ (Hl 8,6) Die Glaubwürdigkeit Jesu in dieser Welt ist eng mit der Glaubwürdigkeit der Braut Jesu verwoben. Sulamith vergleicht ihre Liebe mit Feuer und Glut. Das heißt: Ihr Versprechen, ihr Leben für den König niederzulegen, ist ihr sehr heilig. Als Gott zu Mose aus dem Feuer sprach, stand er auf heiligem Boden. Der Busch verbrannte nicht, weil an jenem Ort nichts Unreines mehr war. Die Bibel sagt, dass beim Gericht Gottes alle menschlichen Werke verbrennen werden, dass aber das, was durch den Heiligen Geist bewirkt ist, bestehen bleibt. Indem Sulamith in diese Liebe, die stärker wie der Tod ist, hineinwächst, werden auch noch die letzten selbstsüchtigen Motive aus ihr herausgebrannt. Der Apostel Johannes erklärte einmal in Analogie zum Feuer des Scheols: „Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ (1Jo 3,14). Also nicht um gedankenlose Leidenschaft geht es, sondern um echte Liebe aufgrund einer bewussten Entscheidung.

 

So kann unsere Liebe zu Jesus noch heißer werden: „In der Bruderliebe seid herzlich zueinander... brennend im Geist.“ (Röm 12,10.11) Die Braut Jesu beweist ihre Liebe dadurch, dass sie bereit ist, ihr Leben für andere hinzugeben. „Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15,13) In erster Linie tut sie dies für Jesus, danach für diejenigen, die Er mit Seinem Blut erkauft hat. Hierzu gibt Sulamith ihr Versprechen als ein Siegel. Es ist die Beglaubigung, die Unterzeichnung, die Bestätigung dafür, dass sie sich nur für die Sache des Königs in der Sammlung Seiner Braut – die Einheit der Christen – verwenden wird. Und es ist zugleich ihre Autorität. Wenn es irgendeine Erhöhung der Gemeinde auf Erden gibt, dann besteht sie in der Einheit der Braut Jesu.

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